Tipps von der Expertin für einen entspannteren Beikoststart

Was du über Beikost wissen solltest

Gläschen oder Brei? Mein Kind will nichts essen, außer Muttermilch. Was soll ich tun? Was ist „normal“? Viele Mamas fragen sich das wahrscheinlich zu Beginn der Beikost. Petra, freiberufliche Hebamme klärt uns auf und hat ein paar Tipps mitgebracht.

Wenn es mit dem Essen nicht ganz so klappt, wie Mama sich das wünscht…

Meine beiden Kinder sind keine großen Esser – von mir haben sie das ja eher nicht geerbt…. Es ist nicht immer so einfach für Mama, wenn Kind nichts essen will. Damals beim kleinen Fräulein hat mich das richtig gestresst. Und ich hab mir ständig Gedanken drüber gemacht. Flascherl (mit Pre-Milch) – keine Chance, Breikost abgelehnt. Erst bei Fingerfood konnte ich sie (sehr) langsam aus der Reserve locken. Aber große Mengen verdrückt sie bis heute nicht. Wie es und damals im Detail erging, könnt ihr hier nachlesen.

Der kleien Detektiv, der ist ihr da leider sehr ähnlich, außer dass er im Notfall, wenn Mama außer Haus ist, auch mal ein Flascherl nimmt, aber essen? Nein, Muttermilch ist das beste. Darum ist Brei oder Fingerfood auch kaum angesagt. Ich probiere es immer wieder. Biete alles an, und langsam scheint es ihm Spaß zu machen. Ich bin entspannter als beim ersten Kind und froh, dass es mit dem Stillen noch so gut hinhaut.

Da ich also weiß, wie verunsichert Mama sein kann, wenn das Baby nicht „essen“ mag, oder immer zu wenig ißt, habe ich mal für euch ganz genau nachgefragt und eine Expertin zu Rate gezogen. Sie verrät uns im Interview tolle Tipps zum entspannteren Beikoststart für Jungmamas.

 

Expertin im Gespräch – das Interview über Beikost

Petra Hahofer ist freiberufliche Hebamme im Nordburgenland. Petra betreut Frauen in der Schwangerschaft, im Wochenbett und beim Stillen.

Liebe Petra, danke dass du Zeit für uns hast. Das Thema Beikost beschäftig Jungmamas ja sehr. Das Essen ist ein großer Meilenstein. Und Mama will natürlich alles richtig machen. Beschäftigt sich mit Beikostplänen und Ernährungstabellen. Mama macht sich verrückt. Drum wollen wir heute mal die wichtigsten Infos dazu zusammenfassen. Sag mal, ab wann ist Beikost generell empfehlenswert?

Die meisten Babys zeigen mit rund einem halben Jahr, dass sie bereit für die Beikost sind. Das heißt, sie haben auch in ihrer Entwicklung her, die nötige Reife.

Beikostreifezeichen sind:
  • das Baby kann mit etwas Unterstützung aufrecht sitzen und den Kopf selbst halten,
  • das Baby kann die Hand -Mund Bewegung gut koordinieren,
  • das Baby zeigt Interesse am Essen der anderen Familienmitglieder und
  • macht Kaubewegungen nach,
  • der Zungenstreckreflex, der Babys  feste Nahrung wieder aus dem Mund schieben lässt, ist verschwunden
Keine Beikostreifezeichen sind beispielsweise:
  • Nächtliches Aufwachen
  • Stocken der Gewichtszunahme
  • Beobachten beim Essen
  • die Größe des Säuglings
  • Clustern oder Stillstreik

Nach wie vor empfiehlt auch die WHO, Kinder 6 Monate möglichst ausschließlich zu stillen und dann mit geeigneter Beikost zu beginnen. Eingeführt unter dem Schutz des Stillens.

Im 1. Lebensjahr bleibt Muttermilch bzw. Anfangsnahrung weiterhin die primäre Nahrung für einen Säugling und Beiköstling.

Wenn es dann los geht mit der Beikost, womit fangt Mama am besten an? Pastinake, Kürbis, oder ist das ganz egal?

Wenn der individuelle Zeitpunkt da ist und auf die Reifezeichen geachtet wurde, können die Eltern dem Baby  weichgekochte Gemüsestückchen oder Gemüsebrei anbieten. Das kann zum Beispiel ein weiches Kartoffel-oder Brokkolistück von Mamas Teller sein aber auch ein pürierter Kürbis-oder Zucchinibrei.

Unser jüngster ist ja kein großer Esser, ich frage mich oft, woher weiß ich, wieviel normal ist. Daher würde es mich interessieren, wieviel isst ein 6 Monate altes Baby?

Das ist ganz unterschiedlich! Erfahrungsgemäß halten sich Kinder nicht an Beikostpläne und Ernährungstabellen!

Angefangen wird mit ein paar Teelöffelchen Gemüsebrei oder kleinen weich gekochten Gemüsesticks.

Manche Babys bleiben Monate lang bei diesen kleinen Mengen, andere essen bald mehr.

Das Kind selbst bestimmt aber, was oder wieviel es von dem Angebot essen möchte. Babys wollen und sollen bei der Beikost nicht unter Druck gesetzt werden, eine gewisse Anzahl und Menge von Brei essen zu müssen. Babys wollen neue Lebensmittel nach und nach kennenlernen, egal ob in breiiger oder stückiger Form.

Und Kinder essen mal mehr, mal weniger!

Eine gemeinsame Mahlzeit soll Spaß machen, soll entspannend sein, genussvoll und gesund sein.

Wir probieren ja alles. Ganz willkürlich, der kleine Detektiv bekommt mal Brei, mal Fingerfood, ist das okay? Brei oder BLW oder gemischt? Was meinst du?

Babys dürfen Brei essen wenn sie möchten, sie dürfen Brei und Fingerfood essen und sie dürfen natürlich auch eben nur Fingerfood essen.

Prinzipiell zeigen uns die Kinder ziemlich deutlich was sie gerne möchten. Viele Babys wollen gerne mit unterschiedlichen Konsistenzen experimentieren, wollen die saftige Gurke beim Mittagessen beknabbern und dann wieder mit dem Löffel das Kartoffelpüree essen.  Auch das ist natürlich erwünscht und erlaubt.

Was wenn mein Baby gar nicht essen mag?

Bietet euren Babys verschiedene Formen der Beikost an, verschiedene Lebensmittel von Anfang an. Lasst sie mit unterschiedlichen Konsistenzen experimentieren.

Vielleicht mag das Gemüsebrei-Baby doch lieber ab und zu Gemüsesticks.

Zwingt es nicht zum Kosten oder „Probieren“. Viele Kinder sind gerade mit anderen Entwicklungsschritten wie dem Krabbeln oder Zahnen „beschäftigt“ und können sich dann schwerer aufs Essen konzentrieren.

Geduld haben und keinen Druck ausüben!

Begleiten wir unsere Kinder mit dem Vertrauen, dass auch das mit der Beikost klappen wird, in seinem eigenen Tempo.

Seid gute Vorbilder beim Essen – Kinder lernen durch Beobachtung! Haltet Augenkontakt beim Essen, nehmt eure Mahlzeiten gemeinsam ein.

Seht dem Beikoststart freudig und entspannt entgegen!

Ich frage mich ja immer wieder, ab wann darf oder soll man Wasser anbieten und wieviel?

Ab Beginn der Beikost kann dem Baby Wasser angeboten werden. Hier kann wieder das Baby entscheiden, wieviel es trinken möchte. Denn solange noch Muttermilch/Anfangsmilch die Hauptnahrungsquelle ist, ist das Kind gut mit Flüssigkeit versorgt.

Was hat es mit potentiellen Allergien auf sich? Worauf soll man aufpassen? Gibt es Einschränkungen? Auch da ändert sich die Empfehlungen regelmässig, oder? 

In den neuen Empfehlungen wird nicht mehr von allergenen Lebensmitteln abgeraten. Das Meiden von allergenen Lebensmitteln hat laut aktuellem Stand der Wissenschaft keinen vorbeugenden Effekt. Neueste Erkenntnisse der Wissenschaft zeigen sogar, dass sich durch den Kontakt kleiner Mengen vieler verschiedener Nahrungsmittel der Körper besser darauf einstellt und damit auch sogar einer Allergie vorgebeugt werden kann.

Es gilt also für alle gestillten und nichtgestillten Kinder, mit oder ohne genetischer Vorbelastung: keine Verbote oder Einschränkungen.

So können in der Beikost Fisch oder Eier, sowie glutenhaltiges Getreide durchaus verwendet werden.

Eltern können also auch hier dem Beikoststart entspannt entgegensehen.

Liebe Petra, danke für deine Tipps! Abschließend nochmal zusammengefasst, was gibst du Jungmamis mit auf den Weg? 

Habt Vertrauen in eure Kinder!

Habt Spaß am gemeinsamen Essen, genießt die Mahlzeiten mit euren Kindern.

Und gebt euren Kindern Zeit! Sie wissen wann der richtige Zeitpunkt da ist.

Genauso wie sie wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist, sich Umzudrehen, Krabbeln und Laufen und Sprechen zu lernen. Manche machen es früher, manche später.


Das sind wirklich tolle Tipps und ich bin gleich viel entspannter! Danke Petra! Übrigens, hier sind noch zwei Kochbuchempfehlungen, wenn man sich für einen Breifreien Beikoststart entschieden hat:

Junika beginnt zu essen* und Der kleine Floh.

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