Darf man sich Urlaub von den eigenen Kindern nehmen? | Gastbeitrag

Eine vielleicht etwas provokante Frage, die sich aber – wenn wir uns ehrlich sind – jede Mama mal stellt. Okay, manchmal sogar öfter. 

Mit dieser Frage beschäftigt sich heute Andrea vom provokanten Ü-30 Blog GEFÄHRLICH EHRLICH – aber lest selbst….

Vorhang auf für Andrea

Heute darf ich für den Mama-Blog „Gänseblümchen und Sonnenschein“ einen Gastbeitrag schreiben. Ich liebe diesen Blog! Wie ihr alle wisst begleitet Anja alle (Neo-) Mamas durch den Alltag, gibt Tipps und Ratschläge dazu und stellt die Sonnenseiten des Mama-Seins in den Mittelpunkt.

Auch ich bin Mama von zwei entzückenden Fratzen! Sie sind 9 und 10 Jahre alt und ich liebe sie – eh klar!

Andrea – Gefährlich ehrlich

Aber: Ich bin gefährlich ehrlich und daher diejenige, die auch die Schattenseiten des Mama-Seins anspricht. Die kennt sicherlich jede(r). Wer mehr von mir lesen möchte, der klickt zu mir rüber. Meinen provokanten Ü-30-Blog Gefährlich Ehrlich gibt es erst seit Juli 2016 und sollte vor allem einen Sinn haben: Meine Leser zu unterhalten.

Ich schreibe über alltägliche Situationen. Dabei stelle ich jedes Mal die Frage „DARF MAN DAS?“ und beantworte diese auf gefährlich ehrliche und provokante Art und Weise. Viel Spaß!

Aber nun „in medias res“! Die Antwort auf die obige Frage: JAAA!!!

KENNT IHR „DIESE SITUATIONEN“?

Diese Situationen, in denen wir aus den Kindern am liebsten Hackschnitzel machen würden. Wir würden sie am liebsten in den Boden stampfen oder von irgendjemandem abholen und verschleppen lassen. Wir halten sie nicht mehr aus – die Situationen und die Kinder. Sie bringen uns an unsere Grenzen, an das Ende unseres schon äußerst gedehnten Geduldsfadens und zur Weißglut:
• Die Kinder „biezeln“ (ist österreichisch und bedeutet so viel wie motzen) im Supermarkt. Wir genieren uns.

• Die Kinder kotzen ins Auto. Wir drehen durch.

• Die Kinder packen unsere Geheimnisse aus und schreien laut unserer Freundin hinterher: „Ist sie die ‚blahte’ Sau?“. Wir ärgern uns über uns selbst, sind aufgedeckt und blamiert.

• Die Kinder sind von Kopf bis Fuß voller Dreck. Speziell dann, wenn wir gerade am Weg zu einer Hochzeit sind und die Kinder frisch gestriegelt in ihre schönste Robe gesteckt haben.

• Die Kinder verletzen sich, schreien aber nicht laut, sondern reißen nur den Mund auf – ohne Ton. Wir wissen: „Hoppla, jetzt ist wirklich etwas Schlimmer passiert!“ – und das, obwohl wir sie 10 Mal vor einer Gefahr gewarnt haben!

• Die Kinder hüpfen wie tollwütige Tiere durch die Wohnung während wir eigentlich arbeiten sollten. Noch schlimmer: Die Kinder stören bzw. „crashen“ ein LIVE-BBC-Interview (Wer dieses Video noch nicht kennt: Unbedingt ansehen! Ziemlich lustig und authentisch! Ich sage dazu: „Well, shit happens!“)

Spätestens wenn eine oder mehrere dieser Situationen eingetreten sind, dann denken wir uns heimlich (weil öffentlich trauen wir uns ja nicht dazu zu stehen):

ICH BRAUCHE URLAUB! URLAUB VON MEINEN KINDERN!

WARUM NICHT URLAUB MIT KINDERN?

Urlaub mit (Klein-)Kindern ist kein Urlaub! Das ist es im Endeffekt besser, zuhause zu bleiben. Daheim ist man zwar auch gestresst, aber viel weniger als im Urlaub. Genauere Details zu diesem Thema findet ihr unter: „DARF MAN SEINEN EIGENEN URLAUB BESCH… FINDEN?

DAMALS, VOR DEN KINDERN

Bevor ich die Kinder bekam, da sagte ich immer: „Ich werde nie Kinder bekommen! Das tu ich mir sicher nicht an!“ Ich wollte doch mein Leben genießen und es nicht irgendwelchen Quälgeistern unterordnen. Reisen und Sport standen in der Hitparade meines Lebens auf Platz eins und zwei. Die Berge und Bars waren meine zweite Heimat. Dann lernte ich im Alter von 27 Jahren meinen jetzigen Ehemann kennen. Auch er war ein Wildfang und „schieß“ auf die Welt. Unser Motto lautete: Hauptsache Spaß. Hauptsache schräg. Hauptsache anders. Hauptsache Grenzen ausloten. Und dann war es doch soweit: Wir bekamen unser erstes Kind und BUMMMMMM: Wir waren mittendrin im Eltern-Sein. Komplett unvorbereitet wie Nichtschwimmer, die ins Sportbecken geschubst werden nahmen wir die Herausforderung an. Wir mussten plötzlich total vernünftig werden/ sein. Keine leichte Aufgabe.

TOTAL ENTTÄUSCHT

Als Baby Nr. 1 das Licht der Welt erblickte, da wartete ich auf dieses Glücksgefühl! Aber es kam nicht! Es sagten doch immer alle, dass es soooooo toll wäre, ein Baby zu gebären. Ok, ich musste mich einem Notkaiserschnitt unterziehen und verabsäumte vielleicht deshalb diese hormonelle Achterbahn. Trotzdem hätte ich mir ein wenigstens halbwegs überwältigendes Gefühl erwartet. Das blieb aus. Ich hielt das kleine Bündel in den Armen und dachte mir: „Aha, und jetzt?“

Es dauerte lange, sehr lange, bis sich mein Baby und ich aneinander gewöhnten. Wir mussten uns erst kennenlernen. Als wir uns endlich angefreundet und uns ineinander verliebt hatten begann ich die Zeit mit meinem Baby zu genießen. Ich merkte, dass ich ziemlich unabhängig war. Ich sportelte mit der Kleinen. Ich fuhr mit meinem Mann und der Kleinen auf Urlaub. Wir taten einfach alles, was uns in den Sinn kam (siehe „DARF MAN SPORT UND KIND VERBINDEN“)

Als ich nach zehn Monaten schon wieder schwanger war ging es bergab. Ich war mit zwei Kleinstkindern total überfordert. NULL Zeit für mich selbst! NULL Erholung! NULL Energien. NULL Sport! NULL Bars! Da dachte ich zum ersten Mal:

ICH WILL URLAUB VON MEINEN KINDERN!

UND WENN SIE TANZT IST SIE WOANDERS

Kennt ihr das Lied „Und wenn sie tanzt ist sie woanders“ von Max Giesinger? Wisst ihr worum es in dem Lied geht? Es geht um eine junge Mama, die sich überlegt, wie ihr Leben ohne Kinder verlaufen wäre.

DAS BIN ICH IN DEM LIED

Wenn ich das Lied höre bzw. den Text dazu lese dann denke ich: „Hö, das bin ja ich!“ Ich war sogar damals, als die zwei kleinen Kröten 2 und 4 Jahre alt waren in New York. Alleine – ohne Kinder! Halt nur vier Tage – und nicht barfuß! Aber es tat richtig gut! Es tat gut, einmal nur für sich alleine da zu sein. Es tat gut nicht kochen, waschen, putzen zu müssen. Es tat gut, nichts planen zu müssen, morgens nicht sofort aufstehen zu müssen. Ich konnte in Ruhe schlafen, musste auf niemanden Rücksicht nehmen. KURZ: Es war zwar echt kurz, aber herrlich!

HEUTE

Ab und zu, wenn die zwei Geister wirklich nerven, dann sage ich: „Kann ich euch irgendwo zurückgeben?“ Aber gleichzeitig denke ich: „Nein! Ihr werdet viel zu schnell erwachsen! Ich möchte jetzt die Zeit anhalten! Wie lange werdet ihr mich noch brauchen? Wie lange werdet ihr euch von mir ‚abbusseln’ lassen? Wie lange werdet ihr mich noch total cool und witzig finden?“

1 ABEND OHNE KINDER = KURZURLAUB

Mittlerweile ist auch ein Abend ohne Kinder schon wie ein Kurzurlaub! Wenn ich mit meinem (oder ohne meinen) Mann einen Abend ohne Kinder verbringen kann ist das schon sehr erholsam. Einfach einmal nicht über die Kinder reden, nicht unterbrochen werden, nicht auf jeden kleinsten Furz reagieren müssen. Wer auch das Glück hat wie wir, der sollte unbedingt ab und zu auf die Omas und Opas zurückkommen, die gut als „Ablegestelle“ dienen. Sie sind für die Kinder jederzeit da und freuen sich sogar auf die Enkerl!

Wenn ich (oder wir) an so einem KOSTBAREN Abend mit Leuten zusammen bin, die auch Kinder haben und nur von denen reden, dann werde ich ziemlich, ziemlich grantig! Da krieg ich fast einen Tobsuchtsanfall! Ich bin ja schließlich auch noch ein Mensch mit Eigenleben und definiere mich nicht nur über die Kinder! Das ist auch gut so! Man braucht auch ein Leben für sich selbst: Als Frau!

FAZIT

Wenn ihr mal Abstand von euren allerliebsten Kindern braucht, dann nehmt ihn euch! Das tut nicht nur euch, sondern auch euren Kindern, Oma und Opa oder Tante und Onkel etc gut!

Ihr seid danach voller Energie und freut euch so richtig auf eure kleinen (oder auch großen) SCHÄTZE! Denn im Endeffekt gibt es nichts Schöneres auf dieser Welt als Kinder!