Ein rasanter Start ins Leben | Gastbeitrag

Geburtsbericht einer stolzen „Löwen“-Mama

Wie vielleicht ein paar von euch wissen ist unser BabyFish vor zwei Tagen zur Welt gekommen. Und wir zwei machen jetzt erstmal Pause vom Schreiben. Wir haben nämlich besseres zu tun. Uns kennenlernen und ganz viel kuscheln!

Ich hab aber passend zum Thema einen tollen Gastartikel für euch 🙂

Ich freu mich über den ersten Geburtsbericht hier bei Gänseblümchen&Sonnenschein. Einen sehr zauberhaften.

Dazu gekommen ist es eigentlich durch  ein Facebook-Kommentar von Petra, einer lieben Bekannten und Leserin, in dem sie meinte, ich soll bei der zweiten Geburt auf alles vorbereitet sein, denn es könne schnell gehen. Sehr schnell. Jaja, hab ich gedacht. Wie sie das genau meinte, ahnte ich da wirklich nicht. Sie sprach aus eigener Erfahrung – denn bei ihr kam das zweite Baby beinahe schneller als die Rettung! Und zwar zuhause! So schön kann eine spontane Hausgeburt sein.

 

Gastmama Petra & ihre ungeplante Hausgeburt

Ich freue mich so sehr, dass Petra uns ihre Erfahrung zusammengeschrieben hat und von ihrer zweiten – sehr rasanten – Geburt erzählt. Zuerst dachte ich mir, NEIN, das kann ich niemals lesen, bevor BabyFish geboren wird, aber ich hab es natürlich doch getan. Zu groß war meine Neugier. Und ich bin so froh, denn jetzt bin ich bereit!

Danke liebe Petra, ich hab keine Angst mehr, falls ich es nicht ins Krankenhaus schaffe. Eine Hausgeburt kann auch sehr schön sein! Und auch meine Sorgen, dass man doch niemals zwei wundervolle Geburten haben kann, sind nun auch begraben.

Ein zauberhafte Geburtsstory

Achtung, Gänsehaut!

Die Geburt meines ersten Kindes war schon etwas ganz Besonderes. Nicht nur, weil es meine erste war. Es war eine wundervolle Reise. Eine Reise zu mir selbst, zu meinem Kind und zu uns als Familie. Ich habe ein gesundes Kind in einer wundervollen, schnellen und komplikationsfreien Geburt auf die Welt gebracht. Ich war körperlich und mental gut vorbereitet und frei von jeder Unsicherheit. Für mich war es perfekt. Für uns war es perfekt.

Es stellt sich die Frage: Kann man zweimal eine wundervolle Geburt haben?

Ich stellte mir ständig die Frage, wie soll meine zweite Geburt nur annähernd der ersten gleichkommen? Kann es mir möglich sein zwei wundervolle Geburten zu erleben? Ich war mir sicher, ich kann. Warum auch nicht? Ich war, altmodisch gesagt, „in freudiger Erwartung“. Durch das intensive Schwangerschafts-Yoga und die Geburtsvorbereitung war ich mit den Atem- und Entspannungstechniken vertraut. Natürlich war mir bewusst, dass immer Komplikationen auftreten können, doch ich war mir sicher, dass Vieles von einer positiven Einstellung und der entsprechenden körperlichen Vorbereitung beeinflusst wird. Ich vertraute auf alt bekannte, natürliche Hausmittelchen, wie Himbeerblättertee, Heublumenbäder, Ölmassagen und die empfohlenen Geburtsvorbereitungstropfen meiner Mama.

Gut ein Monat vor dem errechneten Geburtstermin verspürte ich ein sehr intensives und dauerhaftes Druckgefühl im Becken. Es fühlte sich an, als hätte mich jemand massiv getreten. Mir wurde gesagt, das wäre in Anbetracht der rasch aufeinanderfolgenden Schwangerschaften durchaus normal. Auch die Tatsache, dass ich alles „intensiver“ verspüren würde. Meine Frauenärztin bereitete mich darauf vor, dass unser zweiter Bauchwichtel tendenziell eher und noch schneller zur Welt kommen würde. Ich, als 38-jährige Erstgebärende, war bei der ersten Geburt meiner Tochter mit drei Stunden schon recht flott unterwegs.

Sie meinten, die Geburt kann jederzeit losgehen

Da unser Sohnemann schon sehr tief im Becken läge, könnte es jederzeit losgehen. Ich war gerne schwanger und wollte unserem Bauchwichtel noch genug Zeit zum Heranreifen geben. Außerdem wusste ich, dass es meine letzte Schwangerschaft und mein letzter Babybauch sein würde. Deshalb schwang viel Sentimentalität und Wehmut mit wenngleich es mitunter mit einem Lauflernbaby und dem vielen „Hoppa-Hoppa“, Heben und Bücken vor allem in den finalen Wochen auch sehr fordernd war.

Und dann, drei Tage vor dem errechneten Geburtstermin begann unsere Geschichte…

Es ist Mittwoch, der 29.7.2015.

Alles ist gepackt, alles ist bereit. Unser kleiner Mann kann kommen. Wir sind auf ALLES vorbereitet. Dachten wir… Irgendwie war es trotz der ersten Anzeichen noch immer so weit weg für mich und ich konnte es noch nicht ganz glauben, dass wir bald um ein weiteres Familienmitglied reicher sein würden. Wie bald, das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Die Nacht beginnt mit leichten Wehen. Ich hab schon darauf gewartet, weil ich tags zuvor dasselbe Anzeichen, das „Zeichnen“, wie bei der Geburt unserer Tochter hatte. Irgendwie hatte ich die Wehen etwas anders in Erinnerung. Nicht so intensiv. Aber das meinte ja auch meine Frauenärztin. Also denke ich nicht weiter darüber nach. Ich bin ruhig und entspannt und das ist gut. Nach Mitternacht sind die Wehenabstände bei 15 Minuten, manchmal etwas weniger. Aber doch sehr stark. Naja, wie gesagt, man spürt ja alles etwas intensiver.

Ich lege mir im Kopf meinen Plan zurecht (ja klar, eine Spontangeburt ist ja absolut planbar). Ich denke, ich werde in der Früh mit meinen zwei Lieblingsmenschen frühstücken und dann fahren wir in die Klinik. Soweit so gut. So war es schließlich auch bei unserer Tochter: dieselben Anzeichen, nachts die beginnenden Wehen und am nächsten Morgen entspannt in die Klinik. Unser Mädchen war noch dazu eine Punktlandung zum errechneten Geburtstermin.

Instinktiv weiß ich, dass jetzt alles schnell gehen muss

So gegen 2:15 Uhr nachts wird dann auch Papa von meinen „Atemübungen“ wach und fragt, ob wir nicht doch gleich ins Krankenhaus fahren sollten. Ich will eigentlich verneinen, aber ich stimme ihm dann doch zu. Sicher ist sicher. Auf der Toilette merke ich, dass ich eine starke Blutung habe und ab diesem Moment werden auch meine Wehenabstände merklich kürzer. Nicht mal 10 Minuten und sowas von intensiv! PAAANIIIIIK! Und dann läuft plötzlich alles ganz anders als erwartet. Instinktiv weiß ich, dass jetzt alles schnell gehen muss.

Ich klopfe bei meiner Schwiegermama, der besten Oma überhaupt, und beauftrage sie mit der Aufsicht unseres größten Schatzes, unserer kleinen Tochter.

Es ist 2:25 Uhr.

Eigentlich hatten wir immer vor, selbst in die Klinik zu fahren, aber wir entscheiden uns sicherheitshalber für einen Rettungstransport. Keine Minute später setzen stärkere Wehen ein und jetzt kommen sie in rasant kurzen Abständen. Ich werde komplett überrollt von dem Tempo, den der kleine Mann nun an den Tag legt. Ich kann mich kaum noch aufrecht halten, aber ich schaffe es sehr gut Wehe für Wehe zu veratmen. Wir rufen abermals die Rettung, sie mögen sich doch bitte beeilen! Vielleicht waren da die Abstände schon bei 4 oder 5 Minuten? Aber nur ein- bis zweimal, denn dann kommen die Wehen im Minutentakt. Wir schaffen es kaum die elend lang erscheinende Treppe hinab, als bereits die nächste Wehe einsetzt. Unten angekommen verweile ich abwechselnd im Stuhl oder auf der Treppe kniend.

Wo bleiben sie bloß, die Retter? Ich knie auf der Treppe und denke leise bei mir: „Oh Gott, bitte lass uns keine Geburt im Rettungsauto haben!“ Das war nicht der Plan! Ich war stets so entspannt und auf alles gut vorbereitet und jetzt zeigt mir mein Bauchwichtel, was er davon hält? Er hat seinen eigenen Willen. (und heute mehr als ein Jahr später kann ich das zu 100% bestätigen. Er ist ein Dickkopf, sprüht vor Energie, ist spontan und furchtlos)

Wie im Film…

Dann ein Druck im Unterleib, ein Knacken und …*platsch*

Es ist 2:45 Uhr als die Fruchtblase platzt. Und ja, es ist tatsächlich exakt so wie im Film. Na bravo, das wollte ich schon immer mal am eigenen Leib erleben.

Aus dem Geburtsvorbereitungskurs weiß ich, dass ich mich in eine liegende Position bringen muss, um dem Verrutschen der Nabelschnur entgegenzuwirken und so möglichen Komplikationen vorzubeugen. Aber wohin? Den Weg die vielen Treppen hoch und zurück ins Schlafzimmer oder zumindest in die Couch? Nette Vorstellung, aber das schaff ich nicht mehr. Soviel ist sicher. Dann lieber auf den schicken aber doch sehr ungemütlichen Designerstuhl? Auf den Boden? Papa bereitet mir ein gemütliches Deckenlager. So gemütlich es eben geht, in der Eile. Er umsorgt mich, er streichelt mich, er beruhigt mich. Er ist einfach da, er ist mein Fels in der Brandung. Das war er schon immer. Meine Gedanken sind ganz plötzlich andere. „Ich kann doch nicht HIER mein Baby bekommen?! Hier. Jetzt. Allein?“

Spannung liegt in der Luft

Unser Mädchen weint auf. Die Spannung, die in der Luft liegt, macht auch unsere Kleine wach. Oma kommt mit dem Babyphon in der Hand herbei geeilt: „Was macht denn ihr noch da?“ entgegnet sie aufgeregt.

Dann endlich: Die Rettung ist da. Als sie im Begriff sind mich auf die Trage zu heben und abzutransportieren, halte ich ein. Ich spüre, dass unser Sohn jetzt kommen möchte. Hier, in unserem Zuhause. So soll es sein.

Unter normalen Umständen wäre jetzt eine Hebamme bei mir. Wann darf ich pressen? Sind wir schon soweit? Sie könnte das beurteilen. Der junge Sanitäter kann es nicht. Mit beruhigender Stimme versucht er mir beizustehen. Die Verzweiflung und Unerfahrenheit steht ihm ins Gesicht geschrieben. Für ihn ist es die erste Geburt.

Ich bin mir absolut darüber im Klaren, dass es nun allein an mir liegt, wie und wann unser Kind kommt. Das wo steht ja schon mal fest. Mein Ehemann ist da. Alles ist gut. (Mein Leitmoto. Das wiederholt sich gerne) Ich nehme ein paar tiefe Atemzüge, ich bin erstaunlich ruhig und voll bei mir. Ja, ich weiß, was zu tun ist. Ganz automatisch summe ich tiefe, lange “Uuuhs“. Papa und ich, wir zwei, sind wahre Meister darin. Sie wirken beruhigend und haben auch unser erstes Kind erfolgreich auf diese unsere Welt geleitet. Dann, als ich das Gefühl habe ich muss loslassen nehme ich noch einmal ganz tief Luft und presse. Der Kopf ist da und, ja, ein Händchen. Zweimal noch kurz pressen und unser kleiner Sohn ist da.

Es ist 2:55 Uhr, am 29. Juli 2015, als du, mein kleiner Mann, mein Löwe, das Licht der Welt erblickst. In unserem, ja in deinem Zuhause!

Wir haben es geschafft. Du und ich.

Ich bin überrascht. Überrascht von der Schnelligkeit und überrascht von der Einfachheit dieser Geburt. Wir haben es geschafft, ganz alleine. Wir zwei. Du und ich.

Ich bin (d)eine Löwenmama

Ich fühle mich als wahre Löwenmama. Ja, die bin ich jetzt. Jetzt nur noch brüllen, mein kleiner Löwe. Noch ist nichts zu hören… Dann der erlösende Schrei. Dein erstes Hallo in dieser Welt. Deine Schwester hat wieder beruhigt eingeschlafen… Auch sie scheint zu wissen, jetzt ist alles gut. Der kleine Bruder ist da und er ist wohlauf. Alles andere ist nun Geschichte. Die erste unglaubliche Geschichte deines jungen Lebens.

Dein Papa durchtrennt die Nabelschnur, du wirst in blaue Tücher gewickelt und ich bekomme dich auf die Brust gelegt. Dein Gesicht liegt unmittelbar vor mir. Ich küsse deine rotblond schimmernden Haare und blicke in deine dunklen Augen und denke nur: „Was für ein vollkommenes, entspanntes Kind. Du, mein kleiner Engel mit rosigen Wangen und rotblondem Haar. Mein Löwenkind!“

Was für eine Reise ins Leben! Mein Mann flüstert mir zu wie tapfer ich war und wie sehr er mich liebt. Ich muss so glücklich und entspannt ausgesehen haben, dass mir der eintreffende Notarzt nur noch ein mildes Lächeln schenkt und mir zur Geburt gratuliert.

 Endlich geht es ins Krankenhaus

Die Fahrt ins Krankenhaus und die Erinnerungen daran sind verschwommen. Wir schwelgten im Glück. Der junge Sani wollte dich nicht aus den Händen geben und Papa und ich ließen ihn in stillschweigender Übereinkunft gewähren. Er war so verzaubert von dir. Es war schließlich seine erste Geburt und etwas ganz Besonderes. So wie du für uns was ganz Besonderes bist. Und das Schöne, wir dürfen dich noch ein Leben lang umarmen und werden dich ein Leben lang lieben.  

Im Krankenhaus angelangt ist jeder über unsere Geschichte informiert. Du bist jetzt bereits ein kleiner Star! Im Kreissaal werden wir beide nachversorgt. Und dann endlich haben wir dich ganz für uns. Die ersten Stunden, nur wir drei allein.

Die Zeit im Krankenhaus lebst du ausschließlich an und auf meiner Brust schlafend und auch wenn ich selbst kaum Schlaf finde, so ist es ein so unbeschreibliches Gefühl, das ich für keinen Schlaf der Welt missen möchte. Den 24-Stunden-Radmarathon deines Papas, wenige Tage zuvor, hätten wir beide konditionell mit links in den Schatten gestellt. Wir machen unsere eigene „Challenge“ und diese meistern wir prima.

Es ist UNSERE Zeit des Beschnupperns, Regenerierens und Verliebens. Unsere Zeit des Zusammenwachsens. 

Du bist erst wenige Stunden bei mir und schon liebe ich dich in derselben Intensität wie deine Schwester. Du gibst mir endlich die Antwort auf die Frage, die ich mir so lange gestellt habe: Kann ich dich genauso lieben? Hab ich überhaupt so viel Liebe für zwei? „JA!“ ich kann und „JA!“ ich habe soviel Liebe. Es gibt keine andere Liebe, die vergleichbar damit ist. Es ist unbeschreiblich und kommt von tiefsten Herzen. Wie sagt man so schön

„Die Liebe ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“


So war es nun also. Ein Jahr nach der Geburt unserer süßen Tochter kam der kleine Bruder zur Welt. Ich bin dankbar, dass ich gemeinsam mit meinem Mann zwei so wunderbare Geburten erleben durfte. Jede war individuell, kraftvoll und bereichernd. Jede war stärkend und zerbrechlich zugleich. Sie haben mir die zauberhaftesten Wesen auf Erden geschenkt. Und – das war letztlich unser größter Wunsch – sie haben jetzt einander und müssen sich niemals mehr einsam fühlen, denn

„Geschwister sind ein Geschenk aus Fleisch und Blut.
Sie sind Kameraden, die dir deine Eltern zur Seite stellen,
um dich zu begleiten, wenn sie es nicht mehr können.
Sie erinnern dich an das Lächeln deiner Mutter,
an die Augen deines Vaters
und an jeden Moment eurer Kindheit.
Ihre Mischung ist dieselbe, wie deine,
die gleichen Komponenten nur anders proportioniert.
Sie werden dir immer die natürlichste und
reinste Form der Freundschaft schenken, die existiert.
Auch wenn ihr euch mal verliert,
euer Heimweg wird immer derselbe sein.“
(Autor unbekannt)

Ich genieße immer wieder die Erinnerungen an meine beiden Geburten und wünsche jeder zukünftigen Mama, dass sie Vertrauen in ihre ureigenen Kräfte hat. Ich bin so unendlich stolz auf unsere beiden Kinder, die mit viel Energie und aus eigener Kraft ihr Leben begonnen haben.

♡♡♡
Petra, 39 Jahre, aus Graz, #mamavonzweijulikindern
verheiratet und schwerst verliebt in den wundervollsten Ehemann und Papa
♡♡♡


Wollt Ihr auch von eurer Geburt erzählen? Ich freu mich über eure persönliche Geburtsstory!

Gastbeiträge gerne an: mama@gaensebluemchensonnenschein.com